Stau wird abgebrochen, wenn Fischfauna gefährdet ist
Quelle: Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Verändert sich der Sauerstoffgehalt in der Ems, wenn der Fluss im Sommer oder im Herbst länger als zwölf Stunden aufgestaut wird? Um dies herauszufinden, wird der Gewässerkundliche Landesdienst beim NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) in Aurich im August und September einen Probestau durchführen, der jeweils maximal 37 Stunden dauern darf. Ein entsprechender Antrag wurde jetzt mit strengen Auflagen genehmigt. Bisher ist im Planfeststellungsbeschluss geregelt, dass ein Einstau der Ems von mehr als 12 Stunden nur begonnen werden darf, wenn der Sauerstoffgehalt im Fluss mehr als sechs bzw. fünf Milligramm pro Liter beträgt. Diese Werte sind gewöhnlich nur im Winterhalbjahr zu erwarten; ein längerer Sommerstau war damit praktisch ausgeschlossen.
Der Hintergrund des Probestaus: Für künftige Schiffsüberführungen im Sommer und im Herbst soll geklärt werden, ob auch bei längeren Stauzeiten im Sommer mit stabilen Sauerstoff- und Gewässergütewerten geplant werden kann. Bei den bisherigen 13 Schiffsüberführungen wurden keine negativen Veränderungen dokumentiert – einerlei, ob sie im Sommer- und im Winterhalbjahr stattgefunden haben. Längere Stauzeiten auch im Sommer würden eine größere Flexibilität und Sicherheit für künftige Schiffsüberführungen, teilweise eine Verringerung von Baggerungen und insoweit auch eine Verbesserung der Schwebstoff- und Sauerstoffverhältnisse der Ems mit sich bringen.
"Die Direktion des NLWKN als zuständige Genehmigungsbehörde hat den Antrag nun nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung genehmigt, allerdings unter strengen Auflagen, die vor allem die Stauzeit und die umfangreichen Untersuchungen während der Probestaus betreffen", sagte Dorothea Klein von der NLWKN-Direktion in Oldenburg. Ganz wichtig: Der Probestau muss abgebrochen werden, wenn an der Messstation Terborg über einen Zeitraum von sechs Stunden die Sauerstoffwerte unter 1,5 mg pro Liter fallen, damit eine Gefährdung der Fischfauna vermieden wird. Statt der beantragten 52 Stunden darf der Probestau auch nur maximal 37 Stunden dauern. "Insgesamt ging es bei der Ausgestaltung der Probestaus darum, das wichtige Interesse an zusätzlichen Erkenntnissen über die Sauerstoffentwicklung während eines Sommerstaus mit den Belangen des Naturschutzes und der Schifffahrt unter einen Hut zu bringen".
Der erste Probestau wird nun vom 16. bis 18. August stattfinden; der zweite Probestau ist im Rahmen einer Schiffsüberführung geplant und soll voraussichtlich am 27. September vormittags beginnen. Dabei geht es nur darum, die Ems länger einzustauen als bisher im Sommer vorgesehen, an der im Sperrwerksbeschluss jeweils zugelassenen Stauhöhe ändert sich nichts.
Beide Probestaus werden von umfangreichen Untersuchungen begleitet: Vor und während des Staus wird u.a. die Sauerstoffkonzentration der Ems gemessen und dokumentiert. Ausgewertet werden die vorhandenen elf Messstationen, die alle fünf Minuten per Datenfernübertragung die Werte übermitteln. Dokumentiert werden u.a. der Salzgehalt, der Sauerstoffgehalt und die Wassertemperatur. Außerdem wird das Meyer-Schiff beim zweiten Probestau von einem Messschiff begleitet; ein zweites Messschiff wiederholt zwei Stunden die Messungen. Darüber hinaus findet ein sogenanntes biologisches Monitoring statt, bei dem durch Befischungen und Probenahmen vor, während und nach den Probestaus die Auswirkungen auf die Fische und die am Gewässerboden lebenden Wirbellosen (Makrozoobenthos) beobachtet werden.
Zur Kritik der Umweltverbände, der NLWKN genehmige sich seine Anträge selber, sagte Klein: "Für uns als Genehmigungsbehörde ist allein wichtig, alle Belange sorgfältig abzuwägen und letztendlich eine gerichtsfeste Entscheidung vorzulegen".